Recherche

Durchdachtes Vorgehen

Recherche basiert auf hierarchischen Informationsschritten: Nachdenken und Planen – Lesen – Kontakt schaffen – Recherchebesuche/Interviews/Reden – Schnuppern – Probearbeiten/Praktika.

  • Was will ich herausfinden, wissen, klären?
  • Wo bekomme ich Informationen und wie beschaffe ich sie? Google lässt grüssen... und weitere Quellen aus Internet und Berufsinformationszentren BIZ.
  • In welchem Zeitraum will ich wie weit kommen? – Zum Beispiel erster Termin für das Lesen aller greifbaren Informationen, anschliessend Festlegen neuer Schritte und Termine. Das gehört zur Projektplanung.
  • Wie schaffe ich Übersicht? Zum Beispiel mit Tagebuch, Beobachtungsliste, Tabelle für Fakten, Ideen, Gedanken, Gefühle, Eindrücke und so weiter. Siehe auch Liste «Auswertung von Recherchebesuchen».

Lesen und Vergleichen

  • Berufsbilder (auf berufsberatung.ch), Aus- und Weiterbildungsbeschreibungen (w-a-b.ch), Firmenporträts, Stelleninserate
  • Zeitungen, Fachzeitschriften, an Fachmessen, in Berufsinformationszentren BIZ und vor allem im Internet
  • Berichte über Berufsgruppen, Arbeitsumfelder in den Wirtschaftsseiten

Vergleichen Sie Ihre Vorstellungen mit dem Gefundenen. Sind Ihre Vorstellungen des gewünschten Umfeldes, der gewünschten Aufgabe realistisch?

Vorgehen Recherche

Suchen Sie Umfelder, wo Ihre Joberfindungen ganz oder teilweise denkbar sind. Und sprechen Sie Fachleute an in geeigneten Firmen, die Hintergründe und Details zu Ihren Wunschaufgaben kennen. Zusätzlich ist es von Vorteil, Menschen in Ihrem Netzwerk (siehe auch Reflexion 7) einen Steckbrief mit Ihrem Profil, Ihren Wünschen und Angeboten in die Finger zu drücken.

Recherche ist keine be-Werbung

  • Recherchieren ist noch kein be-Werben! Es geht vorderhand um Information, das heisst, Sie sind erst daran, sich reale Bilder zu verschaffen.
  • Eine solche Anfrage mit dem Ziel eines unverbindlichen Informationsgesprächs mit einer Fachperson stösst fast immer auf offene Türen.

Mögliche Ansprechpersonen und Orte

  • Entsprechende Berufstätige, verantwortliche Personen von angepeilten Abteilungen, Arbeitgeber, Vorgesetzte und Personalfachleute. Vor allem die Menschen «draussen» in der Linie erzählen gerne über ihre Arbeit.
  • Besuch von Informationsveranstaltungen von Ausbildungsinstitutionen.
  • Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungsgängen, die im Lernprozess stehen oder in den letzten Jahren standen.

Kontaktnahme

Um Ihr Interesse zu erklären, weisen Sie darauf hin, dass Sie in einer Neuorientierungsphase stehen und sich darum unverbindlich informieren möchten. Wertschätzend angefragt, erzählen die meisten Menschen gerne von ihrer Arbeit. Informieren Sie sich vorgängig über das Unternehmen, die Organisation, die Produkte oder Dienstleistungen. Wenn Sie gut vorbereitet in solche Gespräche gehen, wird man Sie als ernstzunehmende Fachperson wahrnehmen.

Fragen Sie die Auskunftsperson zuerst, ob sie jetzt Zeit habe für ein fünf- bis zehnminütiges Telefongespräch. Andernfalls bieten Sie an, zu einem besseren Zeitpunkt nochmals anzurufen.

Beispiel-Anfrage

«Guten Tag Frau Iselin, ich stehe in einer Neuorientierung und habe ein kurzes Anliegen bezüglich Ihres Arbeitsbereiches. Haben Sie fünf, zehn Minuten Zeit. Ich kann auch zu einem Ihnen passenden Zeitpunkt anrufen. ... Gut dann schiesse ich los: Ihre Firma und die Produkte sind mir aufgefallen. Erstens hört man immer Gutes über die Geräte, zweitens finde ich das Design, aber auch die Werbekampagne, für die Sie Frau Iselin verantwortlich sind, intelligent und witzig. Im Moment stehe ich als gelernte kaufmännische Angestellte in einer beruflichen Umorientierungszeit. Speziell würde mich das Marketing interessieren. Um einmal eine gut geführte Marketingabteilung und die verschiedenen Aufgaben kennen zu lernen, suche ich die Gelegenheit für ein Schnuppergespräch. Ist es denkbar, dass Sie oder jemand von Ihren Fachleuten mir eine Stunde schenken könnten?»

Und so weiter . . . Aber Achtung! Alle Hinweise, zum Beispiel über Ihre Kenntnisse und über Ihre Einschätzung der Firma, müssen ehrlich, belegbar und nachvollziehbar sein.

Führen Sie nach der Recherche ein Protokoll.

Beispiel: Recherche von Sergio Leoni

Sergio Leoni sucht den Haustechnikverantwortlichen einer Grossbäckerei, den Facility-Manager «Technik» eines Kreisspitals und den Hauswart eines grösseren Alters- und Pflegeheimes auf. Die Gespräche sind spannend und aufschlussreich. Obwohl er Spital- wie Heimbereich faszinierend erlebt, erkennt er, dass die Arbeit in einem produzierenden Betrieb seinen Vorstellungen am nächsten kommt. Es wird ihm auch klar, dass die Aufgabe im Spital zu komplex ist, eine breitere und höhere Ausbildung voraussetzen würde. Im Alters- und Pflegeheim spürt er, dass ihm die technische Herausforderung fehlen würde.

Nebenprodukte

Ihre Gesprächspartnerinnen möchten sicher auch etwas über Sie wissen. Überlassen Sie ihnen zum Beispiel Ihren Steckbrief oder einen Kurzlebenslauf. Findet man Ihr Angebot interessant, sieht man aktuelle Bedürfnisse, wird man Sie womöglich von sich aus auf Ihre Pläne und ein allfälliges Interesse ansprechen.

Mögliche Fortsetzung – Schnuppern

Zur weiteren Vertiefung kann Schnuppern ein Thema sein – ein, zwei bis fünf Tage. Ebenso ist das sinnvoll, wenn Sie im be-Werbungs-Prozess positive Feedbacks kriegen, aber tiefer in den Betrieb hineinschauen möchten.

Mögliche Fortsetzung – 1 : 1-Erfahrung

Bei bestimmten Tätigkeiten/Berufen/Ausbildungen ist es angebracht, teilweise auch gefordert, Praktika von einigen Wochen bis Monaten zu absolvieren.

Das Reden üben

«Ich kann das nicht», «auf Leute zugehen und ansprechen fällt mir schwer», «einfach eine Firma anrufen und einen Besuch vorschlagen, das kann man doch nicht machen». So mögen spontane Einwände auf das «Ansinnen Recherche» lauten. Wenn Sie sich eine solch aktive Haltung nicht gewohnt sind, sind die Einwände verständlich.

Da aber niemand zu Ihnen nach Hause kommt, um Ihnen Stellen anzutragen, ist es hilfreich, eine aktive Kontaktnahme zu üben. Befreundete Menschen, ein Kommunikationskurs, mutige Experimente können Unterstützung bieten. Machen Sie mit einem Freund oder einer Freundin Rollenspiele oder lassen Sie sich im Berufsinformationszentrum einen geeigneten Kommunikationskurs vorschlagen.

Es wäre ein Irrtum zu meinen, man falle anderen Leuten lästig, wenn man sich für ihr Tun interessiert. Im Gegenteil, die meisten Leute erleben das als Wertschätzung.

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Perspektive