Vorstellung – Erstes Gespräch

Sie wollen das Unternehmen kennen lernen

  • Das Unternehmen und seine Strukturen, Vorgesetzte
  • Die Produkte, Dienstleistungen, die Märkte, Kunden und Lieferanten
  • Die Aufgabe, Verantwortung und Kompetenzen (vergleichen Sie mit Reflexion 10)
  • Hilfsmittel, Ausrüstung, Technologie usw.
  • Die Rahmenbedingungen (siehe Arbeitsblatt «Reflexion 9»
  • Künftige Arbeitskolleginnen und -kollegen (evtl. erst im zweiten Gespräch)

Das Unternehmen will Sie kennen lernen

  • Als Arbeits- und Fachkraft, Mensch und Teammitglied
  • Man will erleben, wie Sie mit der Gesprächssituation umgehen, wie Sie sich in unterschiedlichen, wechselnden Situationen, im Kontakt mit unterschiedlichen Menschen verhalten – wenn es belastend wird, wenn man insistiert, wenn Ihnen in kurzer Zeit verschiedene Leute etwas erklären, wenn nicht alles klar ist.
  • Es ist auch möglich, dass man Ihnen kleine Aufgaben stellt, zum Beispiel die Lösung einer Problemsituation, die Erarbeitung einer Präsentation, der Umgang mit einer bestimmten Situation etc.

Zukunftsorientierung im Vorstellungsgespräch

  • Eigene Gesprächsbeiträge an der Aufgabe und der Firma festmachen: Was bringe ich dafür mit, was möchte ich hier erreichen, was möchte ich noch lernen usw.
  • Nachfragen, was die Firma in den nächsten Jahren für Pläne hat, in welche Richtung man die Produkte weiterentwickeln wird usw.
  • Nicht stets von gestern reden: «Wir haben das halt so gemacht; bis jetzt habe ich immer...»

Zukunftsorientierung im Antworten auf heikle Fragen

  • Ehrlich, sachlich, kurz antworten. Nie über das ehemalige Team, einen früheren Vorgesetzten oder über das ganze Unternehmen schnöden.
  • Wenn zum Beispiel aufgrund einer Kündigung, bei der tatsächlich Konflikte vorlagen, insistiert wird, werden Sie zwar darauf eingehen. Sie werden dies mit Vorteil eher kurz tun und aufzeigen, dass Sie mit der «Geschichte» inzwischen abgeschlossen haben. Sie werden klar machen, dass Sie nicht über andere reden möchten, und dass für Sie persönlich ein Lerngewinn für die Zukunft stattgefunden hat (den Sie aber benennen können müssen).
  • Zu diesen Punkten kann «Das Laufbahnbuch» weitere Fragen klären.

Das Unternehmen erkunden – Fragen stellen

Fragen in Zusammenhang mit der Aufgabe können mit der Stelle und ihrer Geschichte beginnen. Weiter interessieren Pflichtenheft, Anforderungsprofil, Verantwortung und Kompetenzen, Detail- und Hauptaufgaben, Arbeitsmittel, Arbeitsplatz, personelle Organisation rund um die Stelle, Vorgesetzte, Team, Untergebene und so weiter. Entwicklungsperspektiven, inner- und ausserbetriebliche Weiterbildung runden Ihren Fragenkatalog ab.

Auch Hinweise auf Eigenheiten, Klima und Kultur in der Firma, sind für Ihre Entscheidung wichtig. Ein erstes Gespräch soll nicht mit Fragen überladen werden. Wenn beide Seiten weiter aneinander interessiert sind, finden noch offene und tiefer zielende Fragen später Platz. Arbeitsvertragliche Details können nach Gesprächsfortschritten diskutiert werden.

Fragen an Sie

Grundsatzfrage: Gibt es Punkte in Ihrem Lebenslauf, welche die Interviewenden zu unangenehmen Fragen provozieren könnten? Wenn ja, müssen Sie einleuchtend antworten können.

Man wird Sie als Fachmensch und Persönlichkeit ins Visier nehmen. Die Gründe für den Stellenwechsel, die be-Werbung gerade um diese Stelle sind gefragt. Man will wissen, was Sie der Firma bringen könnten, wieso man Sie einstellen sollte, was Sie schon alles erreicht, bewirkt haben, wie Sie sich selber als Fachperson und Mensch einschätzen. Ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen, Ihre privaten Verhältnisse und allfällige nebenberufliche Aktivitäten interessieren die Unternehmung.

Man wird über Ihren Bildungs- und Praxisweg diskutieren, Lücken, Stellenwechsel unter die Lupe nehmen. Und vermutlich wird man Sie nach Ihren Saläransprüchen befragen.

Fragen an Kaderleute

Künftige Führungspersonen müssen mit zusätzlichen Fragen rechnen nach ihren Führungsgrundsätzen und -erfahrungen, nach dem Umgang mit Konflikten, Belastungen, speziellen Fähigkeiten wie Organisations- und Planungsgeschick und so weiter.

Fragenkataloge

Eine gängige Auswahl von Fragen, die Sie situationsgerecht stellen können oder die gestellt werden könnten, finden Sie im Ratgeber «Das Laufbahnbuch».

Standardfrage nach Stärken und Schwächen

Wenn nach Stärken und Schwächen gefragt wird, sind Aufzählantworten langweilig und nichtssagend. Versuchen Sie es statt mit Worthülsen so: «Ich will es Ihnen anhand eines Beispiels erklären. In der letzten Auftragsabwicklung habe ich die wesentlichen meiner Qualitäten einsetzen können durch...» Um auch die «Performance» aufzuzeigen (siehe Reflexion 15 fähigkeiten.performance), soll klar werden, in welchem Zusammenhang Sie Ihre Kompetenzen eingesetzt haben, wie die Resultate waren und der «Erfolg» für das Unternehmen, die Nachhaltigkeit des Erreichten, die guten Kosten/-Nutzen-Werte usw. Es kann auch auf das für die Zukunft Gelernte hingewiesen werden. Erfahrungen und Ergebnisse aus Ihrem Kernprofil sollten eine gute Basis für vertiefte Antworten darstellen.

Schwächen sind eher als Bereiche offenzulegen (wenn sie wichtig sind für die Aufgabe), wo bisher wenig Beanspruchung, Routine, Entwicklung möglich war, wo aber Lust und Potenzial auf mehr und Neues besteht.

Antworten oder nicht?

Fragen sind vor allem zu beantworten im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz, der zu leistenden Arbeit, Ihrer Ausbildung, Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten. Hingegen dürfen Fragen nach Punkten, welche die Ausführung der Arbeit und die Anforderungen an den Mitarbeitenden nicht tangieren, nicht gestellt werden.

Je nach Funktion ist eine differenzierte Betrachtung nötig: Je höher eingeordnet die Funktion, je grösser die Verantwortung, desto umfänglicher die Auskunftspflicht. In Betrieben und Institutionen, die ideellen und geistigen Zielen verbunden sind (Tendenzbetriebe), kann sich die Auskunftspflicht auch auf folgende Bereiche erstrecken: Parteizugehörigkeit, Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft.

Weitere Details und Ausnahmen sind ausführlich im Ratgeber «Das Laufbahnbuch» erklärt.

Lohnverhandlungen

Man wird Sie nach Ihren Gehaltsvorstellungen fragen und eventuell auch nach dem aktuellen Gehalt. Allenfalls können Sie den Spiess umkehren: «Ich nehme an, dass es eine firmeneigene Lohnstruktur gibt. Was würde das aus Ihrer Sicht für diese Stelle mit meinem Hintergrund bedeuten?»

Bereiten Sie sich im Gespräch mit kundigen Leuten auf die Frage vor und stecken Sie einen Rahmen ab für die Verhandlungen.

Kennenlernen kann auch Schnuppern heissen

Wenn die Gespräche beidseitig positiv verlaufen, jedoch diverse Fragen offen bleiben, kann es für beide Seiten informativ sein, sich vor der vertraglichen Bindung (und, wenn möglich, vor Ihrer Kündigung an der alten Stelle) näher kennen zu lernen, sich einen halben bis zwei, drei Tage zu beschnuppern. Fragen Sie nach Möglichkeiten – die meisten Firmen sind dafür offen, ausser dort, wo sensible Kunden- und andere Daten im Zentrum stehen.

Gesprächsauswertung

Zu Hause angekommen, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen.

  • Wie ist das Gespräch verlaufen? Wie war das Klima?
  • Waren sie aktiv am Gespräch beteiligt, haben Sie auch Fragen gestellt?
  • Haben Sie ihre Motivation überzeugend vermitteln können?
  • Haben sich in Ihrer Vorbereitung Lücken gezeigt? Welche?
  • Sind noch Fragen offen?
  • Schreiben Sie Ihre Erfahrungen, die Situationsbeurteilung und Folgerungen auf. Ein Auswertungspapier können sie herunterladen.
  • Notieren Sie Ihre Gefühle ebenso wie die Sacheindrücke und Fakten. Ideal ist eine Art Standardisierung des Protokolls, so dass Sie Ihre Eindrücke aus verschiedenen Vorstellungen nach den gleichen Kriterien festhalten. Das hilft, Ihr Urteilsvermögen zu schärfen.
  • Sie können verschiedene Gespräche vergleichen, sich besser erinnern in einem Folgegespräch, und Sie können immer dazulernen.
  • Vergleichen Sie auch Ihre Erfahrungen im Vergleich mit den erarbeiteten Zielsetzungen – siehe Perspektive, Arbeitsblätter «Reflexionen 8 - 12» und Modell Joberfinden.

Wenn Sie mit einem guten Gefühl heimgekehrt sind, dürfen Sie durchaus Ihre positiven Eindrücke und das anhaltende Interesse in einem netten Kurzbrief, einer E-Mail, an Ihre Kontaktperson ausdrücken.

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Umsetzung